Karfreitag

Mein Herz schlug. Er war ein halbes Jahr im Ausland gewesen und wir hatten nur sporadisch Kontakt gehabt. Als ich ihn im September zum Flughafen gebracht und verabschiedet hatte, hatte ich ihm versprochen, fleißig zu sein und sowohl meinen Blog zu pflegen als auch meine Geschichten zu schreiben. Wer ab und an auf meinen Blog schaut, weiß, dass ich alles andere als fleißig war. Und meine Geschichten habe ich auch sträflich vernachlässigt. Anbei der Tatsachenbericht meines Osterwochenendes.

Das Wiedersehen – Karfreitag

Wir trafen uns wie üblich in der Lobby des Riverside Empire Hotels in Hamburg.

Als ich das Hotel durch die großen Glastüren betrat, entdeckte ich ihn sofort. Er saß neben den Aufzügen in einem Sessel und las etwas auf seinem iPad.
Er sah gut aus, trug einen Anzug aus dunkelblauem Stoff und ein weißes Hemd, mit silbernen Manschettenknöpfen. Den obersten Knopf hatte er geöffnet, Krawatten trug er nie. Ich ging zum ihm hinüber, aber er hob den Kopf nicht, als schien er mich nicht zu bemerken.
„Hallo“ sagte ich, als ich etwa einen Meter vor ihm stand.
Er schaute zu mir auf. „Susanne.“
Gott sei Dank, er lächelte. Vermutlich hatte er unsere Abmachung vergessen oder es war ihm nicht mehr so wichtig. Er legte das iPad in seine schwarze Ledertasche, stand auf und umarmte mich. Dann umfassten seine Hände meine Schultern und er sah mich liebevoll an. „Ich habe Dich vermisst.“ sagte er.
„Ich Dich auch. In den letzten Tagen habe ich oft an Dich gedacht. Gehen wir nach oben? Ich habe eine Überraschung für Dich.“, flüsterte ich in sein Ohr.
„So? Was für eine Überraschung?“, wollte er wissen.
Ich lächelte. Ich hatte mir extra für ihn neue Unterwäsche gekauft, schwarze, zarte Spitze. Ich war sicher, sie würde ihm gefallen, wenn er auf dem Bett lag und ich vor den großen, bodentiefen Panoramafenstern für ihn tanzte.
„Das zeige ich Dir lieber in privater Atmosphäre. Komm, lass uns hochgehen.“
Er lächelte und nahm seine Tasche. „Private Atmosphäre klingt sehr gut.“, sagte er und nahm meine Hand. Dann führte er mich in Richtung Ausgang.
„Wohin gehen wir? Die Aufzüge sind doch dahinten.“, fragte ich.
„Susanne, wir müssen uns unterhalten.“, sagte er. Seine Stimme war ruhig, aber streng. „Wir werden heute nicht hier übernachten. Ich habe etwas angemesseneres organisiert.“
„Angemesseneres? Was meinst Du damit?“
„Ich meine damit, dass ein Luxushotel wohl kaum der angemessene Ort für eine junge Dame ist, die ihre Versprechen nicht hält und den nötigen Fleiß vermissen lässt, den man von ihr erwarten kann.“
Mein Herz begann, wild zu schlagen. Er hatte unsere Vereinbarung nicht vergessen.
Vor der Tür stand ein dunkelgrauer Mercedes, ein sportlicher Dreitürer. Der Kofferjunge reichte ihm die Schlüssel und nahm ihm dann die Tasche ab, um sie danach im Kofferraum zu verstauen.
„Wohin fahren wir?“, fragte ich.
„Steig ein.“, sagte er nur.
Ich gehorchte. Hoffentlich würde er nicht allzu streng mit mir sein.
Fortsetzung folgt in Kürze
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