Anna wurde zur befohlenen Zeit in den Hof geführt. Er war etwas prachtvoller und großzügiger als der Hof, den Anna bei der Ankunft im Ministerium für Sitte und Anstand gesehen hatte. In der Mitte des Hofes standen verschiedene Konstruktionen, die der Vollstreckung verschiedener Urteile zu dienen schienen. Neben einem Fallbeil und einem Galgen fand sich ein Querbalken, an dem man jemanden an Händen und Füßen fixieren konnte, um ihn so von allen Seiten auszupeitschen. Daneben stand ein hölzerner Bock, an dem einige Lederriemen herunterbaumelten. An den Seiten des Hofes waren Tribünen aufgebaut, auf denen zahlreiche Menschen saßen. Die Menge schien gut gelaunt, anscheinend waren schon einige Urteile an diesem Morgen vollstreckt worden. Anna erkannte den Mann, der mit einer geflochtenen Lederpeitsche neben dem Bock stand, sofort. Es war der schmierige Wächter, der sie am Tag zu vor geohrfeigt hatte. Mit einem breiten Grinsen begrüßte er Anna. „Na mein Fräulein. Wie schön, dass wir uns so schnell wiederbegegnen.“ Anna warf ihm einen verachtenden Blick zu. „Na dann mal runter mit den Klamotten. Alles ausziehen!“, befahl der Wächter. Anna sah ihn mit großen Augen an. „Aber der Richter…“, begann sie, doch kam nicht zum Ende. „Der Richter hat ein Urteil gefällt, das wir hier vollstrecken. Die Peitsche empfängt der Verurteilte stets komplett nackt, auch wenn es heute nur um deinen kleinen Arsch geht. Also, runter mit den Sachen.“ Er machte einen Fingerzeig in Richtung zweiter weiterer Wachen, die Anna unsanft packten und festhielten. Der schmierige Wärter kam auf sie zu und knöpfte langsam ihre Bluse auf und zog sie ihr vom Körper. Die anderen Kleidungsstücke zog er ruckartig und unsanft von ihr, so dass Anna die Nähte krachen hörte. „Da wo du nach dieser Lektion hingehst, wird man dich eh neu einkleiden.“, lachte der Wärter, als Anna komplett nackt im Hof stand. Sie spürte die Blicke der Zuschauer. „Sind wir soweit?“, hörte sie eine Stimme rufen. Es war der Richter, der sich gerade mit einer großen Portion Pommes frites in den Händen auf der Tribüne niederließ. „Sofort Euer Ehren.“, rief die Wache. Anna wurde gepackt und zu dem hölzernen Bock geführt. Ihr Oberkörper wurde nach vorne gebeugt und mit den ledernen Riemen fixiert, so dass ihr nackter Hintern für jeden sichtbar im Mittelpunkt des Geschehens stand. Zufrieden überprüfte der Wärter noch einmal den Sitz der Riemen, dann nickte er dem Richter zu. „Sehr schön.“, rief dieser. „Wir haben ja zur Abwechslung mal ein richtig strammes Ärschchen vor uns. Also, wohlan. Der Gerechtigkeit soll Genüge getan werden.“ Der Wächter stellte sich hinter Anna auf und hob die lederne Peitsche. Sie bestand auf einem relativ kurzen, geflochtenen Riemen, der sich zur Spitze verjüngte. Anna biss auf die Zähne, um nicht laut aufzuschreien, wenn der erste Schlag sie traf. Sie wusste, wie sich der Schmerz einer Züchtigung anfühlte und wollte dem fetten Richter, vor allem aber dem widerlichen Wächter, nicht die Genugtun erweisen, dass sie Schwäche zeigte. Ein zweiter Wachmann stellte sich neben den Bock und Anna konnte aus dem Augenwinkel erkennen, wie er ein Klemmbrett und einen Stift hervorholte. Dann signalisierte er, dass er ebenfalls bereit war. Anna hörte das Zischen der Peitsche und einen lauten Knall. Dann spürte sie einen brennenden Schmerz über ihren Pobacken. Sie biss noch fester auf die Zähne und versuchte tief ein und auszuatmen. Nach einigen Sekunden spürte sie, wie der Schmerz sich weiter durch ihren Körper zog. „Eins!“, hörte sie den Mann mit dem Klemmbrett sagen, der eine Notiz zu machen schien. Wieder hörte Anna die Peitsche durch die Luft fliegen und mit einem weiteren Knall landete sie kurz unter der Stelle, an der sie das erste Mal getroffen hatte. Anna bäumte sich kurz auf, doch ihr zarter Körper wurde von den schweren Lederriemen auf dem Bock gehalten. „Zwo.“, quittierte die Wache den Schlag, während sich das Brennen über ihrem Hintern weiter ausbreitete. Der dritte und vierte Hieb mit der Peitsche folgten schnell hintereinander, so dass Anna Mühe hatte, genug Luft zwischen den Schlägen zu holen. „Langsamer, wir wollen doch nicht, dass die Show gleich schon vorbei ist.“, hörte sie die Stimme des Richters rufen. Anna begann langsam vor Wut und Trotz zu kochen. Wahrscheinlich holte sich der fette Wichser abends einen runter, wenn er an all die armen Seelen dachte, die er im Laufe des Tages verurteilt hatte. Heute Abend würde er vermutlich an Annas Hintern denken. Anna war zwar jung, aber sie kannte die Männer aus den oberen Schichten und wie sie über die Mädchen aus dem Arbeitermilieu dachten. Für die waren Anna und ihresgleichen nur eine nette Abwechslung, die man mit leichten Versprechungen zu einem vergnüglichen Ausflug überreden konnte, um sie anschließend wie eine heiße Kartoffel fallen zu lassen. Und wenn eine aufbegehrte, konnte sie sicher sein, dass sie in der Schule oder ihrem Ausbildungsbetrieb auf einmal sehr viele Probleme hatte, angefangen von willkürlichen Bestrafungen bis hin zu Mädchen, die von einem auf den anderen Tag einfach verschwanden. Die Männer der Oberschicht, zu der auch Richter und Offiziere des Ministeriums gehörten, waren gut vernetzt und hatten mehr Einfluss, als das Gesetz eigentlich vorsah. Wieder traf die Peitsche Annas nackten Hintern. Ihr Atem wurde schneller und kürzer. Der Schmerz war deutlich stärker als das, was sie von ihren Lehrern in der Schule empfangen hatte. Auch wenn sie bereits den Rohrstock zu spüren bekommen hatte, fand sie, dass diese Behandlung deutlich mehr weh tat als alles, was sie bisher kannte. Hoffentlich würde es schnell vorbei gehen und sie würde aus den Fängen dieses schmierigen Wärters befreit, der die Behandlung sichtlich zu genießen schien. Wieder und wieder traf die Peitsche nun Annas Pobacken. Sie ballte die Hände zu Fäusten und schluckte den brennenden Schmerz hinunter. „Wir hören gar nichts.“, rief der Richter. „Die Menge wünscht, dass sie an der reinigenden Kraft des Schmerzes teilhaben kann. Schlag sie, bis sie schreit.“, befahl er. Der Wächter hob erneut die Peitsche und schlug nun noch härter zu, als er es ohnehin getan hatte. Anna fühlte, wie sich das Leder in ihre Haut grub und ihr die Luft wegblieb. Selbst wenn sie gewollt hätte, hätte sie jetzt nicht schreien können. Der folgende Hieb jedoch traf sie so unerwartet, dass sie die Kontrolle verlor und aus vollem Halse aufschrie. „Ahhhhhhhhhhhhhhh!“, schallte es über den Hof. „Na also.“, rief der Richter zufrieden. „So langsam dringen wir zu der jungen Dame durch. Nur weiter.“ Dann stopfte er sich weiter mit seinen Pommes frites voll. Annas Hintern brannte. Die Hiebe wurden immer schärfer und das Leder traf nicht nur auf ihre kleinen Backen, sondern auch ihre Schenkel und Hüften. Sie schrie nun bei jedem Schlag laut auf. Doch schlimmer als der Schmerz war für es für sie, dass sie die hämischen Blicke ihres Peinigers auf ihrer Haut spüren konnte. Sie verfluchte den hässlichen, fetten Mann in seiner grauen Uniform und hoffte, dass eines Tages jemand die Peitsche tief in seinen Arsch steckte. Den letzten Schlag führte er mit voller Kraft aus und Anna schrie ihren Schmerz laut heraus. Dann sang sie kraftlos auf dem Bock zusammen. Von der Tribüne konnte sie ein sarkastisches Klatschen hören, das der Richter vollführte. „Sehr schön. Eine gute Vorstellung.“, lobte er, bevor er sich erhob und im Gebäude verschwand. „Du hast einen süßen, kleinen Arsch, meine Liebe. Ich hätte jetzt richtig Lust, meinen harten Schwanz in Dich hineinzuschieben und es dir richtig zu besorgen.“, raunte die Wache Anna zu, während er die Halteriemen löste. „Nimm deine Finger von mir.“, giftete Anna. „Nanana!“, ermahnte er sie und tätschelte ihren geschundenen Hintern. Anna biss die Zähne zusammen. Jede Berührung verursachte höllische Schmerzen. „Nicht so forsch, junge Dame.“ Anna schwieg. Man reichte ihr einen Satz gestreifter Sträflingskleidung und führte sie dann aus dem Hof heraus zurück in die Hafträume im Keller des Gerichtes. Anna würdigte dem grauen Mann keines Blickes, als man sie zurück in die Zelle brachte. Sie hoffte, dass sie ihn nie wieder sehen musste. Am nächsten Morgen wurde Anna um 5.00 Uhr geweckt. Die Tür ihres Haftraumes flog auf und das Licht ging an. „Los aufstehen. Du wirst jetzt zur Sonnenburg gebracht.“, polterte eine weibliche Wache, die Anna vorher noch nicht gesehen hatte. „Hier, zieh das an. Das ist die Schuluniform der Einrichtung. Wir haben immer eine Erstausstattung im Lager. Bist nicht die Erste, die von hier aus ihre Reise antritt. Anna nahm die Schuluniform entgegen und zog sie an. „Und? Tut es noch weh?“, fragte die Aufseherin in einem hämischen Unterton. Anna hatte die Nacht auf dem Bauch liegend verbracht und nur wenig geschlafen. Noch immer Tat ihr Hintern höllisch weh. „Ja.“, sagte sie knapp. „Recht so. Eine ordentliche Tracht Prügel, hat noch keiner kleinen Göre geschadet. Es war sicherlich nicht das letzte Mal für dich. Ich habe einen Blick dafür. Manche brauchen einfach die Knute, damit sie verstehen, wo es lang geht.“ Anna ignorierte den Vortrag der Wärterin und zog ihre Kleidung zurecht. Sie fühlte sich schmutzig und ungewaschen und sehnte sich nach einem heißen Bad. „Wo kann ich mich waschen?“, wollte sie wissen. Die Wärterin machte ein verärgertes Gesicht und trat auf Anna zu. Dann gab sie ihr eine schallende Ohrfeige. „Du wäscht dich dann, wenn man es dir sagt, junge Dame. Aber das wirst du noch lernen. Überhaupt wird sich für dich noch so einiges ändern. Das solltest du mir glauben.“ In Anna stieg eine unbändige Wut auf. Am liebsten wäre sie der Wärterin an den Hals gesprungen, doch es war unwahrscheinlich, dass es ein gutes Ende für Anna nehmen würde, wenn sie jetzt versuchte, aufzubegehren. „Komm jetzt.“, befahl die Wärterin knapp. Anna wurde aus dem Gebäude geführt, im Hof wartete ein schwarzer Kleinbus mit laufendem Motor. Auf dem Fahrersitz und dem Beifahrersitz saßen zwei kräftige Männer, die wortlos warteten. Die Wärterin öffnete die hintere Schiebetür. „Einsteigen.“, sagte sie knapp. Anna gehorchte und nahm in dem Kleinbus Platz. Die Schiebetür wurde zugeschlagen und Anna hörte, wie sie sich automatisch verriegelte. An eine Flucht, indem sie einfach auf der Fahrt aus dem Fahrzeug sprang, war also nicht zu denken. Die beiden Männer vorne im Wagen würdigten Anna keines Blickes. Die Wächterin reichte einem der beiden ein Klemmbrett durch das Wagenfenster und ließ sich die Übergabe von Anna auf einem Formular quittieren. Dann setzte sich der Wagen langsam in Bewegung. Anna sah noch einmal aus dem Fenster. Sie würde diesen Ort nicht vermissen. Aber sie wusste auch nicht, was sie erwartete und an was für einen Ort man sie bringen würde. Die Sitzbank im Bus war hart und der Schmerz, der ihre Kehrseite durchzog, erinnerte Anna daran, was sie gestern durchgemacht hatte. Sie hoffte, dass die Zukunft etwas Besseres für sie bereithalten würde. Doch sie wusste, dass man es als Waise aus der Arbeiterklasse nicht leicht haben würde. 5. Die Sonnenburg Der Kleinbus passierte eine mächtige Pforte, die von zwei Türmen gesäumt wurde. Anna blickte aus dem Fenster. Die Sonnenburg sah nicht so aus, wie sie sich ein Internat vorgestellt hatte. Sie erinnerte eher an eine mittelalterliche Festung. Hohe Mauern umgaben ein großes Hauptgebäude und einige Nebengebäude. „Sechs Uhr fuffzig.“, freute sich der Fahrer, als er einen Blick auf die Uhr warf. „Neuer Rekord. Respekt.“, sagte der andere. Die beiden hatten auf der Fahrt kein einziges Wort gewechselt. Jetzt wandte sich der Beifahrer zu Anna um. „Junge Dame, ich habe gute Nachrichten. Du kommst direkt pünktlich zum Appell. Der findet heute in der Aula statt. Aber zuerst musst du durch die Aufnahme.“ Anna schwieg. Die beiden Männer stiegen aus und einer öffnete die Schiebetür. Eine jüngere Frau, die mit einem Kittel bekleidet war, der an den einer Krankenschwester erinnerte, kam aus einem der Nebengebäude heraus und ging auf den Wagen zu. „Das wurde auch Zeit.“, zeterte sie. „In einer guten Stunde ist Appell. Warum kommt die heute erst so spät an?“ Die beiden Männer sahen sich betreten an. „Seht zu, dass ihr vom Hof kommt. Und sagt eurem Chef, dass ihr das nächste Mal abends die Gefangenen abholen sollt. Ich will morgens nicht immer dieses Gerenne haben.“ Die beiden Männer nickten und stiegen in den Bus. Nachdem Anna ausgestiegen war und die Frau im Kittel die Tür zugeschmissen hatte, fuhren sie davon. „Mein Name ist Richter. Für Dich bin ich Frau Richter.“, erklärte die Frau knapp. „Mitkommen.“ Anna folgte der Frau. Es war kalt und sie fror ein wenig in ihrer knappen Uniform. Sie wurde in eines der Nebengebäude geführt, in den direkt hinter dem Eingang eine große Waschküche lag. Ein Mann wartete dort, er saß an einem großen Schreibpult. Vor ihm stand eine Kiste mit Kleidung. „Alles ausziehen.“, befahl die Frau im Kittel. Anna gehorchte und die Frau musterte sie. „Umdrehen.“, ergänzte sie knapp. Anna drehte sich um und die Frau schnalzte mit der Zunge. „Du hast ja eine schöne Tracht Prügel erhalten. Gut so.“, stellte sie fest. „Man kann sehen, dass der Zuchtmeister eine ordentliche Handschrift hatte. Ich hoffe, du empfindest Dankbarkeit dafür, dass sich der Staat so gut um dich kümmert.“ Anna schluckte, aber wagte es nicht, zu widersprechen. Sie schwieg lieber. „Stell dich dort an die Wand unter den Abfluss.“, ordnete die Frau an, während sie einen dicken Feuerwehrschlauch von der Wand nahm. Anna schwante nichts Gutes. Doch sie hatte keine andere Wahl. Sie stellte sich an die verlangte Stelle. Die Frau drehte das Wasser auf und spritzte Anna von oben bis unten mit kaltem Wasser ab. Dann warf sie ihr ein Stück Kernseife vor die Füße. „Einseifen.“ Anna bückte sich nach der Seife und seifte sich ein. Immerhin konnte sie so den ganzen Schmutz und Schweiß von ihrem Körper waschen, auch wenn das kalte Wasser nichts mit dem heißen Bad gemein hatte, nachdem Anna sich am Morgen gesehnt hatte. Nachdem Anna erneut von allen Seiten abgespritzt wurde, warf die Frau ihr ein Handtuch zu und Anna trocknete sich ab. „Hier Kindchen.“, sagte der Mann hinter dem Tisch. „Das sind deine Sachen. Zieh dir etwas an, und dann geht es zum Appell. Unterschreib hier, dass du alles bekommen hast.“ Er schob ihr einen Empfangsschein und einen Bleistift hin und Anna quittierte den Erhalt der Sachen. „Sie haben nach mir geschickt?“, hörte Anna eine weibliche Stimme aus Richtung der Tür. „Ah, Leonie. Gut, dass du kommst.“, freute sich Frau Richter. „Natürlich Frau Richter. Sie haben nach mir geschickt.“ „Genau. Ich möchte, dass du unser Neuen hier alles zeigst. Sie heißt Anne.“ „Anna.“, brach es aus Anna hervor. Die Frau in Weiß verzog das Gesicht. „Wie auch immer. Jedenfalls ist sie die Neue.“, sagte Frau Richter, ohne sich zu korrigieren. „Verstehe.“, sagte Leonie. Sie war ein kleines blondes Mädchen, vermutlich in Annas Alter, mit großen blauen Augen und einem etwas rundlichen Gesicht. „Dann will ich dir mal alles zeigen.“ Leonie nahm Annas Kiste und führte sie aus der Waschküche hinaus über den Hof in ein weiteres Nebengebäude. „Das hier ist unser Wohnblock. Hier ist der Schlafsaal.“, erklärte Leonie, während die beiden Mädchen eine große Halle betraten, in der etwa 40 Stockbetten standen. „Wir sind aktuell 78 Mädchen aus beiden Jahrgangsstufen.“, fügte sie hinzu. „Hier gibt es also nur ältere Schülerinnen?“ „Ja. Es ist eine Besserungsanstalt für Heranwachsende.“, sagte Leonie. „Und warum bist du hier?“, wollte Anna wissen. „Du wirkst doch sehr angepasst.“ „Ich bin schon eine Weile hier. Habe viel herumgelungert und ein paar Dosen Hundefutter für meinen kleinen Hund geklaut.“ „Du hattest einen Hund? Wie bist du denn an eine Lizenz gekommen?“, fragte Anna erstaunt. „Das war ja das Problem. Ich hatte keine. Und auch kein richtiges Zuhause. Und jetzt bin ich hier. Aber ich habe nicht mehr lange, dann komme ich raus.“ „Und dann?“, wollte Anna wissen. „Dann bekomme ich hoffentlich eine Anstellung als Meisterdienerin. Ich habe letzten Monat das Zureiten hinter mich gebracht.“ „Das Zureiten?“ „Ja. Da bekommen wir den letzten Schliff, um für unseren Dienst vorbereitet zu sein.“ „Was passiert beim Zureiten?“ „Da kommen verdiente Beamte des Staates. Denen musst du dann Lust verschaffen und sie nehmen dich, wie sie wollen. Es ist eine intensive Erfahrung, aber wenn man sich darauf einlässt, kann man sogar selbst etwas Freude daran haben.“ „Wie nehmen? Sie vergewaltigen dich?“ „Vergewaltigung wäre es nur, wenn es gegen das Gesetz verstieße. Hier gehört es zur Ausbildung. Aber man kann nicht viel dagegen machen, also ist es besser, es über sich ergehen zu lassen.“, sagte Leonie und zuckte mit den Schultern. „Mein Zureiter war ganz niedlich eigentlich. Aber es sind wohl auch ein paar harte Brocken dabei, man kann also auch Pech haben. Da ist übrigens dein Bett.“ Sie deutete auf ein Bett am Rande des Raumes. Anna schauderte es. Sie hatte wenig Lust, von einem fremden Beamten zugeritten zu werden und auch wenn Leonie anscheinend relativ gleichgültig dazu stand, für Anna wäre es ein absoluter Albtraum, sich einfach hingeben zu müssen. Lieber wollte sie sterben. „Wir müssen zum Appell. Du kannst deine Sachen später in deine Truhe räumen. Wir sollten uns beeilen.“ Leonie stellte die Kiste auf das untere Bett des Hochbettes und ging wieder ins Freie. „Der Appell ist in der Aula, wir müssen hier um die Ecke.“ Als die beiden Mädchen den Hof passiert hatten und um die Ecke kamen, kam den beiden ein weiteres Mädchen entgegengerannt, das vor jemandem davon zu laufen schien. Es war etwas größer als Anna und Leonie und hatte einen etwas massigeren, aber durchtrainierten Körper. Ihre pechschwarzen Haare hatte sie zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Anna versuchte noch, auszuweichen, doch es war schon zu spät. Das Mädchen rammte sie und beide vielen kopfüber auf den harten Asphalt. Das Mädchen hatte ein kleines Bündel in der Hand gehalten, das durch die Luft flog und nun ebenfalls auf der Erde landete. Die Schwarzhaarige versuchte noch, es wieder an sich zu nehmen, doch es war zu spät. „Das war wohl nichts!“, war eine dunkle Stimme zu hören, gefolgt von Schritten, die sich schnell näherten. „Dumme Gans!“, zischte die Schwarzhaarige Anna zu. Anna stand auf und strich sich den Schmutz von den Knien. Gott sei Dank war sie nicht auf ihren geschundenen Hintern gefallen. Ein Mann näherte sich und sah sich die drei Mädchen an. Er trug ein braunes Tweet-Jackett und eine graue Hose, vermutlich war er ein Lehrer an dieser Anstalt. Er bückte sich und hob das Bündel auf. „Was haben wir denn hier, Sabrina?“, wollte er wissen. „Das gehört mir nicht.“, zeterte sie. „Bestimmt gehört es der da.“ Sie zeigte mit dem Finger auf Anna. Der Mann lachte. „Netter Versuch, einer anderen die Schuld zu geben. Aber die kommt frisch aus der Untersuchungshaft und ist, wie ich das sehe, gerade erst mal ordentlich abgeduscht worden. Die Haare sind ja noch nicht mal trocken.“ Bedächtig öffnete er das Päckchen. „Sieh an, Zigaretten. Die Marke des Direktors. Ob er wohl welche vermisst, wenn er seinen Privatvorrat überprüft?“ „Woher soll ich das wissen.“, fauchte das Mädchen, das der Lehrer Sabrina genannt hatte. „Na, das werden wir gleich klären.“ Der Mann packte Sabrina am Arm und zog sie auf die Füße. „Wir sprechen uns noch!“, zischte sie Anna zu, als der Mann sie unsanft in Richtung Hauptgebäude führte. Anna zuckte mit den Schultern. „Das war kein guter Start.“, bemerkte Leonie. „Sabrina kann richtig giftig werden und ist sehr nachtragend. Aber sie hat nicht mehr lange, wenn du Glück hast, ist sie weg, bevor sie sich an dir rächen kann.“ „Na toll. Das geht ja gut los.“, bemerkte Anna. „Komm jetzt. Wenn wir zu spät kommen, gibt es Ärger. Und Ärger bedeutet Sitzbeschwerden.“ Die beiden Mädchen beschleunigten ihre Schritte und setzten ihren Weg in die Aula fort.